„Kindheit und Jugend im Krieg – Radikalisierung von Kindern und Jugendlichen“

21.09.2022, von 09:00 – 18:00 Uhr

Aufgrund der Erfahrung in den letzten Jahren, dass Jugendliche und junge Erwachsene sich extremistischen Gruppen angeschlossen haben, sind viele sehr gute Projekte im Bereich der Prävention entstanden, die dabei helfen sollen, solche Ausreisen und Bündnisse junger Menschen mit extremistischen Gruppen zu verhindern.
Wenn wir weiter in die Geschichte zurückschauen, dann wissen wir auch, dass diese Entwicklung nicht erst auf den IS zurückgeht. Jugendliche sind in ihrer Unsicherheit und der Unfertigkeit ihrer Gedanken und ihrer Identitätssuche immer wieder von extremistischen Gruppen instrumentalisiert worden, für die hierin bis heute eine zentrale Methode liegt. Das gilt vor allem für Länder, die sich seit Generationen im Krieg befinden.
Wir erleben gerade jetzt eine große Unsicherheit und kritische Entwicklungen. Bestehende Denkmuster und Herangehensweisen, um Probleme und Konflikte zu lösen, sind, so scheint es, unbrauchbar geworden. Kinder und Jugendliche erleben die Erwachsenen als nicht stark genug. Die Erwachsenen, so empfinden es viele, haben sie in diesen unsicheren Zeiten vergessen. Das ist grotesk, denn gerade die jungen Menschen stehen für die Zukunft.
Bei dem geplanten Fachtag am 21.09.2022, 9h-18h in der Evangelischen Akademie in Frankfurt zum Thema „Kindheit und Jugend im Krieg – Radikalisierung von Kindern und Jugendlichen“ soll es vor allem um die Jugendlichen gehen. Ihnen soll ein Raum gegeben werden, um über ihre eigenen Ängste zu sprechen. Expert:innen werden zum einen die unterschiedlichen Facetten beleuchten, die bei der Identitätssuche Gefahren mit sich bringen. Was bedeutet es für Kinder und Jugendliche, im Krieg aufzuwachsen? Was heißt Identität, wenn ich vielleicht morgen nicht mehr bin? Zum anderen sollen die Expert:innen mit den Jugendlichen ins Gespräch kommen. Was brauchen und wünschen sie sich, um in einer der wichtigsten Phasen ihres Lebens und auf der Suche nach Identität in unserer heutigen Welt wahrgenommen und ernst genommen zu werden? Wie können wir ihnen, als den Träger:innen der Zukunft, mehr Raum für Selbstbestimmung und Partizipation geben? Wo fühlen sie sich abgeschoben und diskriminiert? Woran scheitern nach ihrer Ansicht bestehende Projekte?


„Misogynie, Antisemitismus, Rassismus – Vernetzung in Online-Games“

Juli 2022, von 10:00 – 13:00 Uhr (online)

Online-Spiele gehören weltweit inzwischen zur Alltagskultur von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Für viele ist Gaming nicht nur Freizeitspaß, Unterhaltung und Ablenkung, sondern auch ein Teil ihres sozialen Lebens.
Freundschaften und Beziehungen können über das gemeinsame Spielen entstehen, Gruppen werden gebildet und auch auf den Kommunikationsplattformen, die eigens für das Gaming genutzt werden, wird nicht nur über das Spiel geredet. In solchen Gesprächen zwischen Kindern und Jugendlichen kommen auch aktuelle Probleme und Themen zur Sprache, es werden Umgangsformen gelernt und ein eigenes Bild von der Welt sowie ein eigener moralischer Kompass entwickelt. Gleichzeitig ist dies aber auch ein Ort, der kaum in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird und eigene Dynamiken entwickelt.
Erst nach den Gewalttaten von Christchurch, Utøya und Hanau wurde festgestellt, dass es eine Vorgeschichte im Internet gab. Die Taliban nutzen soziale Medien, darunter auch Spiele, und die frauenhassende „Incel“-Bewegung ist über das Internet zu einem internationalen Phänomen geworden. Der Attentäter von Christchurch bezog sich explizit auf den damals erfolgreichsten Youtuber und Letsplayer/Gamer PewDiePie. Online-Games als Orte der Radikalisierung, an denen gezielt Jugendliche in eine Welt voller Hass und Gewalt gezogen werden können, sind darum wichtige Orte auch für die Arbeit mit Jugendlichen, die sich demokratiezerstörendem Rassismus, Frauenhass, Antisemitismus und religiösem Fanatismus entgegenstellt.
In dieser Veranstaltung wird ein Blick auf die aktuelle Situation im Internet und außerhalb geworfen. Dabei werden insbesondere die Erfahrungen von in Deutschland lebenden geflüchteten Jugendlichen thematisiert.

Vortragende:
Christine Weiss
Hanifa Haqani


„Wer sind die Taliban? Die Auswirkungen ihrer Machtübernahme auf den Westen und auf den religiös motivierten Extremismus weltweit“

Dezember 2021, 10:00–13:00 Uhr (online)

Der Verein Rumi imPuls e. V. in Frankfurt hat mit seinen Projekten in den vergangenen Jahren Geflüchteten in Hessen politische Bildung vermittelt und sich in der Prävention von religiösem Extremismus engagiert und spezialisiert. Viele unserer Klient*innen sind aus Afghanistan oder aus Lagern in Nachbarländern nach Deutschland geflohen. Aus ihren Erfahrungen konnte der Verein umfangreiches und praxisnahes Wissen über die Problematiken Afghanistans und der Region erwerben.
Bei der geplanten Informationsveranstaltung werden aus Anlass der erneuten Machtübernahme der Taliban vier Mitglieder von Rumi imPuls e.V. aus ihren Tätigkeitsbereichen berichten. Aus der Perspektive unserer gesammelten Expertise werden wir die „Taliban“ genannten Gruppierungen beleuchten. Im Fokus stehen der historische Hintergrund der Taliban, ihre Selbstauffassung, Ziele und Haltung gegenüber „dem Westen“ sowie der Ausschluss von Frauen aus der von den Taliban beherrschten Gesellschaft und ihr Verhältnis zum Judentum.

Vortragende:

Hanifa Haqani
Qasim Syed
Philipp Schmidt
Fardin Pouya